Erziehungsprobleme: Sind wir Eltern Schuld?

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Leider werden Eltern heutzutage nicht selten als Schuldige dargestellt, wenn sie Probleme mit ihren Kindern haben oder hatten. Als Beispiel sei die „gute“ Mutter zu nennen, welche warmherzig, sensibel, einfühlsam und akzeptierend zu sein hat. Des Weiteren soll sie nicht fordern und nicht strafen. Solche Aussagen werden bedauerlicherweise auch von Vertretern helfender Berufe getätigt und mit weiteren Vorwürfen versehen.

Hartnäckig halten sich die Vorwürfe, dass der geringste Fehler in der Erziehung unauslöschliche Narben hinterlasse. In diesem Zusammenhang begegnen Eltern folgende oft Unterstellungen. 

  • Das sie einen Mangel an Einfühlungsvermögen haben
  • Das sie nicht sensibel genug sind
  • Das sie zu wenig Verständnis für ihr Kind aufbringen
  • Das sie lieber ihre eigenen narzisstischen Bedürfnisse befriedigen
  • Das Sie nur bedingt oder gar nicht Erziehungsfähig sind

Diese Aussagen dürfen in Frage gestellt werden, weil die Zeiten, als man die wahre Art der Kindererziehung und die beste Familienstruktur zu kennen glaubte vorbei sind. Was für eine Familie richtig und gut ist, kann für die andere falsch sein. Sinnvoller ist es, die elterliche „Stimme“ zu stärken, statt sie durch Vorwürfe schwächer werden zu lassen. Somit ist eine Schuldzuschreibung kein geeignetes Mittel, um die Erziehungsprobleme aufzulösen, sondern führt zur Paralyse der Eltern in der Entwicklung von eigenen Maßstäben von Erziehung. Bevor der Zeigefinger in eine Richtung zeigt oder das Kind ungerechtfertigt die Familie verlassen muss, ist auch aus fachlicher Sicht zu prüfen, ob Eltern die geeignete Hilfestellung bei ihren Problemen angeboten wurde oder ob bestehende Unsicherheiten mitverstärkt worden sind. Eine Stärkung der Eltern führt in logischer Konsequenz auch dazu, dass Kinder auf klare Erwachsene stoßen, die Orientierung und Halt anbieten, was der gesunden Entwicklung nur allzu dienlich ist. Kinder sind seelisch verletzliche Wesen, die für ihre Entwicklung bestimmte Rahmenbedingungen benötigen, welche möglichst gut sein sollten. Werden Eltern von falschen Idealvorstellungen, Fachkräften oder Institutionen als „Schuldige“ markiert, verlieren sie die eigene innere Orientierung zur Schaffung eben dieser notwendigen Rahmenbedingungen. Jetzt schwingt die Erziehung wie ein unsicheres Pendel zwischen Nachgeben (permissiver Erziehungsstil) und Angreifen (autoritärer Erziehungsstil). Eine fatale Familiendynamik nimmt ihren Lauf, weil aus der einstigen Familie nun „Gegner“ werden, die satt eines harmonischen gemeinsame Lebens, in erbitterte Auseinandersetzungen verfällt, wo Sieg und Niederlage dominieren. Diese Dynamik kann sich über Jahre hinweg ziehen, da viele Eltern aus Scham der irrigen Hoffnung („es wird schon wieder irgendwie“) und/oder aus Unwissenheit keine Hilfe in Anspruch nehmen. Die zweite Fatale Folge einer „Schuldigkeitsmarkierung“ beginnt. Durch das sinnlose Warten und falsche Hoffen auf alleinige Verbesserung, vertieft sich die Eskalationsdynamik und eine spätere Verbesserung wird deutlich erschwert oder um mühevolle Zeit verlängert.

 

 

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  • Fallbeispiel: Hans ist gewalttätig

Leider werden Eltern heutzutage nicht selten als Schuldige dargestellt, wenn sie Probleme mit ihren Kindern haben oder hatten. Als Beispiel sei die „gute“ Mutter zu nennen, welche warmherzig, sensibel, einfühlsam und akzeptierend zu sein hat. Des Weiteren soll sie nicht fordern und nicht strafen. Solche Aussagen werden bedauerlicherweise auch von Vertretern helfender Berufe getätigt und mit weiteren Vorwürfen versehen.

Hartnäckig halten sich die Vorwürfe, dass der geringste Fehler in der Erziehung unauslöschliche Narben hinterlasse. In diesem Zusammenhang begegnen Eltern folgende oft Unterstellungen. 

  • Das sie einen Mangel an Einfühlungsvermögen haben
  • Das sie nicht sensibel genug sind
  • Das sie zu wenig Verständnis für ihr Kind aufbringen
  • Das sie lieber ihre eigenen narzisstischen Bedürfnisse befriedigen
  • Das Sie nur bedingt oder gar nicht Erziehungsfähig sind

Diese Aussagen dürfen in Frage gestellt werden, weil die Zeiten, als man die wahre Art der Kindererziehung und die beste Familienstruktur zu kennen glaubte vorbei sind. Was für eine Familie richtig und gut ist, kann für die andere falsch sein. Sinnvoller ist es, die elterliche „Stimme“ zu stärken, statt sie durch Vorwürfe schwächer werden zu lassen. Somit ist eine Schuldzuschreibung kein geeignetes Mittel, um die Erziehungsprobleme aufzulösen, sondern führt zur Paralyse der Eltern in der Entwicklung von eigenen Maßstäben von Erziehung. Bevor der Zeigefinger in eine Richtung zeigt oder das Kind ungerechtfertigt die Familie verlassen muss, ist auch aus fachlicher Sicht zu prüfen, ob Eltern die geeignete Hilfestellung bei ihren Problemen angeboten wurde oder ob bestehende Unsicherheiten mitverstärkt worden sind. Eine Stärkung der Eltern führt in logischer Konsequenz auch dazu, dass Kinder auf klare Erwachsene stoßen, die Orientierung und Halt anbieten, was der gesunden Entwicklung nur allzu dienlich ist. Kinder sind seelisch verletzliche Wesen, die für ihre Entwicklung bestimmte Rahmenbedingungen benötigen, welche möglichst gut sein sollten. Werden Eltern von falschen Idealvorstellungen, Fachkräften oder Institutionen als „Schuldige“ markiert, verlieren sie die eigene innere Orientierung zur Schaffung eben dieser notwendigen Rahmenbedingungen. Jetzt schwingt die Erziehung wie ein unsicheres Pendel zwischen Nachgeben (permissiver Erziehungsstil) und Angreifen (autoritärer Erziehungsstil). Eine fatale Familiendynamik nimmt ihren Lauf, weil aus der einstigen Familie nun „Gegner“ werden, die satt eines harmonischen gemeinsame Lebens, in erbitterte Auseinandersetzungen verfällt, wo Sieg und Niederlage dominieren. Diese Dynamik kann sich über Jahre hinweg ziehen, da viele Eltern aus Scham, der irrigen Hoffnung („es wird schon wieder irgendwie“) und/oder aus Unwissenheit keine Hilfe in Anspruch nehmen. Die zweite Fatale Folge einer „Schuldigkeitsmarkierung“ beginnt. Durch das sinnlose Warten und falsche Hoffen auf alleinige Verbesserung, vertieft sich die Eskalationsdynamik und eine spätere Verbesserung wird deutlich erschwert oder um mühevolle Zeit verlängert.

Fallbeispiel: Hans ist gewalttätig

Frau M.  sah sich mit einem stark destruktiven Verhalten ihres Sohnes Hans konfrontiert. Hans beleidigte seine Mutter, schubste sie, hörte kein bisschen auf Ihre Bitten oder Forderungen und demolierte sein Zimmer, sofern seine Wünsche nicht zeitnah erfüllt wurden. Viele Jahre der Jugendhilfe brachten keinen Erfolg und die häusliche Dynamik spitzte sich so zu, dass Hans seine Mutter sogar einst von einem Hocker getreten hat. Das dabei nichts Ernstes passiert ist, grenzte an ein Wunder. Die Anamnesephase hat gezeigt, dass Frau M. schon seit der Geburt von Hans allein erziehend war und von Kindesbeinen an mit Problemen bei der Erziehung kämpfte. Die vorangegangenen Hilfen stellten sie somit als „Schuldige“ heraus, ohne konkrete Anweisungen anzubieten. Im Gegenteil, vieles wurde mit Hans besprochen und auch freudiges unternommen, egal ob er Zuhause gewütet hat oder nicht. Beklagte sich die Mutter über Hans Verhalten, dann wurde ihr vermittelt, man müsse trotz der Gewalt seitens Hans Nachsicht üben und versuchen mit schönen Angeboten dies abzumildern. Zum Aufbrechen der Dynamik musste Frau M. mit einem klaren Strategieplan ausgestattet werden, welcher sie zu gewaltlosen, jedoch konsequenten Handlungen ermächtigte. Nach knapp einem Jahr intensiver Zusammenarbeit und einer emotionalen „Achterbahnfahrt“ ist es Frau M. und Hans gelungen, sich wieder einander so anzunähern, dass Gewalt nicht mehr das Familienleben beherrscht. Hans Verhalten geht bis zum heutigen Tage manchmal mit ihm durch, doch bei Weitem nicht mehr so intensiv wie damals, wovon auch er deutlich profitiert. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie sehr auch er unter der Gewalt an der Mutter gelitten hat und welche massiven Schuldgefühle ihn nach jedem Angriff plagten. Da er es alleine nicht mehr in den Griff bekam, half ihm die Mutter, indem sie sich klar und präsent positionierte, was ihr beileibe nicht immer leicht gefallen ist und sie viele tränenreiche Nächte gekostet hat.

(Dies ist ein Fall nach wahrer Begebenheit. Alle Namen und Personenbezogene Daten sind geändert)

 

Fallbeispiel: Fritz verbaut sich die Zukunft

Familie H. lebt in einem Einfamilienhaus in einem Stadtteil von Solingen. Der fünfzehnjährige Sohn Fritz ist gerade dabei sich die Zukunft zu verbauen, da er mit einer starken Abwesenheit in der Schule glänzt und sich auch sonst kaum an die elterlichen Regeln hält.  Des Weiteren ist sein Freundeskreis stest in Konflikte verwickelt und Drogen wie auch Diebstähle sind ein großes Thema. Die Familie sieht sich einem fortwährendem verzweifelten Kampf um die gesunde Entwicklung ihres Kindes entgegen. Zwei Psychotherapien brachten in der frühen Kindheit kaum Erfolg und andere Hilfemaßnahmen scheiterten ebenfalls. In der gemeinsamen Zusammenarbeit zeigte sich deutlich, dass die Eltern sich gegenseitig in der Schuld an der Misere sahen. Berichtet der Vater, dass seine Frau sehr nachgiebig sei, kontert diese mit einem zu strengen Erziehungsverhalten ihres Ehemannes. In dieser Uneinigkeit lag ein großes Defizit bei der Ausübung der Erziehung, welches durch die gegenseitigen Vorwürfe nur noch gestärkt worden ist. Nachdem es den Eltern gelungen ist die vergangenen Fehler als das zu sehen was sie auch sind, nämlich normale menschliche Fehler die durch einen emotionalen Hintergrund aufgeladen worden sind, konnten sie sich beide den starken Anforderungen des Verhaltensmusters ihres Sohnes zuwenden. Nach gut einem Jahr intensiver Zusammenarbeit geht Fritz heute wieder in die Schule und steuert auf eine konstruktive Zukunft hin. Dieser Fall zeigt sehr deutlich, dass Erziehungsfehler nicht zwangsläufig ein ewiges Scheitern voraussagen und das Schuldzuschreibungen, auch unter den Eltern, nur noch tiefer lähmen und verunsichern. 

(Dies ist ein Fall nach wahrer Begebenheit. Alle Namen und Personenbezogene Daten sind geändert)

 

Wenn Fremde zu Helfern werden

Frau B. steht alleinerziehend ihrem Sohn Kai gegenüber, der keine Gelegenheit auslässt seine Mutter zu drangsalieren. Stets muss sie ihre Schlüssel, ihr Geld und ihr Handy verstecken, damit Kai sich nicht einfach so an ihren Gegenständen bedient. Bekommt Kai nicht einen fortwährenden Medienkonsum gewährt, neigt er zu Impulsdurchbrüchen und zu einen emotional erpresserischem Verhalten (“Du bist eine Scheiß Mutter, Ich hasse dich, Du bist unfair…): Die Dynamik spitzte sich einst so zu, dass ein Polizeieinsatz notwendig war, da Kai wieder Mal die Mutter massiv bedrängt hat. Bei der Anamnese tauchte oft die Aussage auf, dass Frau B. ihrem Sohn viele Jahre sehr verwöhnend gegenüber trat. Kai brauchte nur schief zu schauen, schon wurde schnell geklärt, was er sich den wünsche. Aufgrund dieser Sichtweise der nahen Verwandten, war mit einer engen Zusammenarbeit kaum zu rechnen. So entschied sich Frau B. für den sehr schweren Weg und bat Fremde (Nachbarn und ihre Klienten um Hilfe). Dieser Weg zeigte schnell seine positive Wirkung. Die häusliche Gewalt war nun kein Tabuthema mehr was zu einer deutlichen Reduktion der Eskalationen führte. Kai und seine Mutter konnten sich dadurch wieder friedlicher begegnen, was bei beiden zu einer emotionalen Entspannung führte. Bis heute leben sie noch zusammen, nicht Konfliktfrei jedoch gewaltfrei. Kai konnte durch viele Gespräche auch ein Stück seine Schuldgefühle abbauen und Frau B. lernte, wie sie sich präsentieren muss, damit es zwischen den beiden nicht mehr ganz so esakliert.

(Dies ist ein Fall nach wahrer Begebenheit. Alle Namen und Personenbezogene Daten sind geändert)

 

 

 

Peter Michalski

Peter Michalski git seinen Klienten nicht das Gefühl bei einem Therapeuten auf der Couch zu liegen und das trotz seiner langjährigen Erfahrung. Das Coaching hat etwas von einem lockeren ungefilterten Gespräch mit einem Freund, der klar sagt, was Sache ist und dennoch mitfühlend und empathisch ist. 

 

Ich wünsche Ihnen, Ihren Kindern und Ihrer Familie alles erdenklich Gute!

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